Bin ich in der Midlife-Krise?
Wie aus der Krise in der Lebensmitte ein erfolgreicher Wendepunkt wird!

 
Die Midlife-Krise wird gerne als Marotte von gelangweilten Männern belächelt,
dabei ist sie ein ernster Prozess im Leben eines Menschen.

In dieser Krise werden wir oft so betrachtet, als hätte uns plötzlich eine große Charakterschwäche oder eine asoziale Persönlichkeitsstörung überfallen. "Alters-Torheit" ist das unverschämteste (und dümmste) Synonym das ich dazu gefunden habe. Dass die Betroffenen dabei aber wirklich auch leiden, wird gerne übersehen.

Wut, Trauer, Gereiztheit und Unzufriedenheit sind die Hauptgefühle dieses Leidens.
Wut auf die Mitmenschen, die immer nur Ansprüche stellen. Wut auf sich selbst, auf die angeblich falschen Entscheidungen die man im Leben getroffen hat.
Trauer über die langen Jahre, die man scheinbar so sinnlos verplempert hat. Trauer über die Kürze des Lebens.
Die Gefühle ohne Geborgenheit zu leben, nicht mehr wahrgenommen zu werden, keine Anerkennung zu finden, sind wie schmerzhafte Wunden.

Die kritisierten oder belächelten Verhaltensweisen eines Menschen in dieser Lebenskrise sind die Versuche das Leiden zu beenden.


Warum kommt man in die Midlife-Krise?

Jede Lebensphase hat ihre eigene Bedeutung:
- Die Kindheit, um uns als individuelles Ich kennen zu lernen.
- Die Pubertät, um uns in Bezug auf andere kennen zu lernen.
- Die Zeit bis ca. mitte 20, um uns selbst zu definieren "wer wir sind".
- Die nächsten 20-30 Jahre um unseren Platz in der Gesellschaft (und in einer eigenen Familie) einzunehmen, um unsere Karriere zu machen, um ein wirtschaftliches Fundament zu schaffen.
Irgendwann hat man all diese Lebensaufgaben bewältigt.

In all diesen Phasen hatten wir eigentlich immer Ziele, auf die wir hin gearbeitet haben. Aber jetzt sind uns die Ziele irgendwie ausgegangen.
Immer war die Rolle klar, die wir zu spielen hatten. Aber auf den nächsten Lebensabschnitt sind wir nicht vorbereitet, dort ist nichts mehr "klar".


Auch dieser neue Lebensabschnitt hat seine besondere Bedeutung in unserem Leben!

Schauen wir erst noch mal kurz zurück auf die bisherigen Lebensphasen um dahinter zu kommen wo das Potential für unsere Zukunft liegt:

All die oben aufgezählten Lebensaufgaben haben ein großes Maß an Anpassung von uns verlangt.
- Als Kind - an die Erwartungen der Eltern (Lehrer etc.).
- Als Jugendlicher - an den Druck der Gruppe, der Moden und unserer "Hormone".
- Als junger Erwachsener - an eine Partnerschaft.
- Als Elternteil - an die Bedürfnisse eines Kindes.
- Als Berufstätiger - an den Existenzkampf.

Jetzt sind wir in eine Zeit gekommen, in der dieser Anpassungsdruck stetig geringer wird. Eigentlich ist das eine tolle neue Freiheit, aber mit der kommen wir noch nicht zurecht. Dieser Anpassungsdruck hatte uns ja immer einen festen Rahmen gegeben, an dem wir uns orientieren konnten.
Jetzt müssen wir uns auf einmal selbst definieren, eine von diesen Drücken unabhängige Daseinsberechtigung finden.
Das ist es, warum wir uns plötzlich leer fühlen, warum wir die Uhr zurückdrehen wollen, in die Zeit dieser klar definierten Rollen. Zurück an den Punkt, an dem wir die Weichen gestellt haben, wo wir den Beruf und die Familie begründet hatten.

Ein Neubeginn in der Zeit der Weichenstellungen ist verlockend, man könnte dann ja alles noch mal, diesmal viel besser machen. Aber gäbe es wirklich eine Garantie, dass man nicht irgendwann wieder am gleichen Punkt wie heute ankommt?
Hat man denn damals nicht auch nach bestem Wissen und Gewissen entschieden? Und zurück in die alten Rollen und Ansprüche, nur weil man Angst vor der Freiheit hat?


Die Midlife-Krise als Chance!

Alle Rollen, die wir inne hatten, verlangten Anpassung und Anpassung bedeutet im Grunde ja auch so etwas wie sich verstellen. Wenn man sich anpassen muss, kann man nie so ganz man selbst sein. Das eigene Ich wird dabei immer wieder zurückgestellt.
Und genau da liegt die einmalige Chance Ihrer heutigen Situation.

Jetzt sind Sie gefordert, dieses eigentliche Ich (das unter der ganzen Anpassung vergraben war), zu entdecken.
Sie sind aus Ihren bisherigen Rollen herausgewachsen und dürfen sich selbst mehr in den Mittelpunkt stellen!
Geborgenheit und Anerkennung gibt es auch für den unabhängigen, freien und authentischen Menschen. Ja, für ihn gibt es das erst recht!

All die bisherigen Jahre sind nicht umsonst vergangen. Sie können jetzt auch mal Geduld haben, sind vorausschauender und enttäuschungsresistenter geworden. Das ist ein gutes Kapital für die Zukunft.
Wenn Sie andere fragen, die die besondere Energie dieser Zeit zu einer inhaltsvollen Veränderung, zum Einklang mit den ganz eigenen Idealen genutzt haben, werden Sie feststellen, dass es noch niemand bereut hat.

Allerdings war es dann nie ein Weg zurück zu alten "Weichen". Es war ein Weg, der auf den Erfahrungen unseres Lebens und der "Weisheit" unserer Jahre aufbaute.

Weisheit beginnt, wenn wir uns unserer Grenzen und unserer wirklichen Freiheit bewusst werden. Wenn wir wissen, dass kein anderer uns den Sinn unseres Lebens vorgeben, ihn uns aufdrängen oder in Frage stellen kann.
Denn nur wir selbst geben unserem Leben seinen Sinn, auf ganz individuelle Weise.

 
 


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